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Sprache und Kommunikation

"Goðan dag, endi si gigrotid !"
"Guten Tag, und sei gegrüßt !"

Karte des altniederdeutschen Sprachraumes
Abb.1 Karte des altniederdeutschen Sprachraumes

Die Spache der Altsachsen in unserer Darstellungszeit dürfte Altsächsisch bzw. Altniederdeutsch gewesen sein. Die in altsächsischer Sprache verfassten Schriften stammen jedoch überwiegend aus dem 9. bis 12. Jahrhundert. Als Quellen können wir hier neben Personen- und Ortsnamen auf zwei größere Dichtungen verweisen. Hier wäre zum ersten der "Heliand" zu nennen. Es handelt sich hierbei um eine altsächsische Evangelienharmonie, die in stabreimenden Langzeilen geschrieben wurde. Verfasst wurde er vermutlich um 830 n. Chr. von einem Geistlichen im Umkreis der Fuldaer Schule. Die zweite Dichtung ist die "altsächsische Genesis", die ebenfalls in stabreimenden Langzeilen geschrieben wurde. Sie entstand um 840 n. Chr. Mit diesen beiden Schriften liegen uns die einzigen Großdichtungen des Frühmittelalters vor.

Wer diese beiden Dichtungen gerne in altsächsischer Sprache lesen möchte, kann das unter den folgenden links zur Hochschule Augsburg tun.
Heliand
Altsächsische Genesis

Als weitere Quellen sind die so genannten kleineren Denkmäler zu benennen. Diese bestehen aus zusammenhängenden poetischen und prosaischen Texten, Interlinearversionen und Glossen zu lateinischen Schriften und einzelnen Wörtern und Wendungen in lateinischen Urkunden. Zumeist sind diese in der so genannten karolingischen Minuskel überliefert, woneben aber auch Unziale und Halbunziale vorkommen, besonders bei Überschriften und am Anfang von Abschnitten, Sätzen und Versen.

Der älteste überlieferte Text mit altsächsischen Sprachformen ist das altsächsische Taufgelöbnis, das wir an anderer Stelle näher beschreiben.

Das Hildebrandslied ist eine der frühesten poetischen Schriften aus dem 9. Jahrhundert. Es ist das einzig überlieferte Textzeugnis eines Heldenlieds germanischen Typs in der deutschen Literatur, und darüber hinaus, generell das älteste erhaltene germanische Heldenlied. Es wurde um 830840 n. Chr. von zwei unbekannten Fuldaer Mönchen in hauptsächlich althochdeutscher Sprache, jedoch in einer eigentümlichen altsächsisch-altbairischen Mischsprache und mit angelsächsischen Schreibbesonderheiten aufgezeichnet.
Die Entstehung des ursprünglichen Hildebrandsliedes wird, da in der gotischen Sprache die im Langobardischen nachgewiesene Namenendung auf "-brand" fehlt, in Oberitalien angesetzt. Von den Langobarden kam das Hildebrandslied vermutlich in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts (770780 n. Chr.) nach Bayern und von dort nach Fulda.


Die ersten Zeilen des Hildebrandliedes lauten wie folgt:

Ik gihôrta ðat seggen,
ðat sih urhêttun ænon muotîn,
Hiltibrant enti Haðubrant untar heriun tuêm.
sunufatarungo; iro saro rihtun,
garuntun sê iro gûðhamun, gurtun sih iro suert ana,
helidos, ubar hringâ dô sie tô dero hiltiu ritun.
Hiltibrant gimahalta, her uuas hêrôro man,
ferahes frôtôro; her fragên gistuont
fôhêm uuortum, hwer sîn fater wâri.


Auf Basis dieser Schriften und der urgermanischen Lautverschiebung ist es möglich geworden, die altsächsische Sprache weitestgehend zu rekonstruieren. Da das lateinische Alphabet nicht ausreicht, um die altsächsischen Laute wiederzugeben, sind hier neue Zeichen hinzugefügt worden.
Diese sind: ð, ƀ, ȩ, æ, õ, ů, ƒ.

Wir können und möchten an dieser Stelle jedoch nur einen kleinen Einblick in die Sprache der Altsachsen geben. Ein kompletter Sprachlehrgang, in dem Vokabeln und Ausspracheformen geübt werden, würden den Rahmen dieser Website sprengen. Wir verweisen daher an die unten angegebene Fachliteratur.


Hillebille im Bergbaumuseum Clausthal-Zellerfeld
Abb.3 Hillebille im Bergbaumuseum
Clausthal-Zellerfeld.

Telefon und Internet gab es im Frühmittelalter natürlich noch nicht. Es gab andere Kommunikationswege. Einen reitenden Boten, der von Ansiedlung zu Ansiedlung ritt, um ganz wichtige Nachrichten oder Neuigkeiten zu überbringen, kennen wir aus vielen historischen Filmen oder Büchern. Möglicherweise haben die Autoren sogar recht mit dieser Theorie. Belegt sind aber noch zwei weitere Kommunikationswege. Da wäre zum einen das allseits bekannte Rufhorn. Hiermit war es möglich, Signale, die eine bestimmte Bedeutung hatten, über eine weitere Strecke weiterzugeben. Zum anderen gab es im Frühmittelalter die so genannte Hillebille. Hiermit konnten schon komplexere Nachrichten (ähnlich wie beim Morsealphabet oder bei Rauchzeichen der Indianer) weitergegeben werden. Es handelte sich um ein Schlagbrett aus Hartholz, freischwebend an einem Lederriemen aufgehängt, das durch Schlagen mit einem Klöppel zum Tönen gebracht wurde.


Literatur- und Quellenangabe:
Köbler, Gerhard - Rückläufiges Wörterbuch des Altsächsischen, 2003
Köbler, Gerhard - Sammlung aller altsächsischen Texte, Arbeiten zur Rechts-und Sprachwissenschaft, 1987.
ProjektEhrenWert - Mit fremder Zunge I und II, Seminarreihe 2014/2015 (Wesemann, Michael, NLD)
Schuhmann, Roland - Einführung in das Altsächsische

Bildquellen:
Abb.1: Sanders, W., Neumünster, 1973
Abb.2: Landes- und Murhardsche Bibliothek, Kassel, (Hs.Theol. Foliant 54, Bl. 1r)
Abb.3: Wikipedia; Urheberrecht: Heinz-Josef Lückung

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