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Haushund

Beschreibung

Schädel eines rund 31 700 Jahre alten Hundes
Abb.1 Schädel des "Hundes von Goyet",
ca. 30 000 v. Chr.

Der Hund ist das älteste bekannte Haustier und stammt vom Wolf (Canis lupus) ab. Bereits in der Altsteinzeit weisen archäologische Funde Domestikationsmerkmale bei den Knochen auf. Eindeutige Indizien der Domestizierung bieten Hunde, die mit Verstorbenen zusammen begraben wurden. Zu den ältesten Belegen dafür gehört das etwa 14.000 Jahre alte Doppelgrab von Oberkassel. Die Entwicklung zum Haushund fand in verschiedenen Gebieten unabhängig voneinander statt.

Bei den Römern kann schon von einer gezielten Zucht ausgegangen werden, dabei wurde allerdings nicht nach Rasse sondern nach Anforderung selektiert. Die Körpergröße dieser Hunde variierte zwischen 18 cm und 72 cm, denn es traten auch zum ersten Mal Zwergformen auf. Im germanischen Gebiet kamen mittelgroße bis große Hunde mit einer Widerristhöhe zwischen 45 und 67 cm vor. In der Form ähnelten sie dem Wolfsspitz, Schäferhund oder Collie. Sehr selten gibt es Nachweise von Zwergformen. Dieses Bild verändert sich auch nicht im Frühmittelalter. Während im ländlichen Bereich weiter mittelgroße bis große Hunde gehalten werden, fanden sich in frühstädtischen und städtischen Siedlungen sowie Burgen ebenso kleinwüchsige Formen.

Bis ins Hochmittelalter hinein dürfte es sich zum überwiegenden Teil um Landrassen mit breiter Variabilität gehandelt haben. Erst seitdem kann man von einer Zucht bestimmter Rassen reden. So sind der Bernhardiner und Pekinese Rassen, die bis ins Mittelalter zurückreichen.

Haltung

Mittelalterliche Hetzhunde
Abb.2 Mittelalterliche Hetzhunde

Die Haltung der Hunde war von Gegensätzen geprägt. Ebenso wie ihre Herren sind auch die Hunde "Standesunterschieden" unterworfen. Im Bereich der höheren "Stände" wurden besonders Jagdhunden eine besondere Fürsorge entgegengebracht – so beschäftigt sich z. B. die "Capitulare de villis" Karls des Großen in mehreren Kapiteln mit Geboten und Verboten zur Hundehaltung (XI, XXIII, LVIII). Abhängige Güter hatten oft die Verpflichtung die Hunde für ihren Herren zu verpflegen bzw. gezielt zu züchten. Dabei war auch schon die Zwingerhaltung bekannt. In den ländlichen Siedlungen waren die nicht zur Arbeit genutzten Hunde mehr oder weniger auf sich selbst gestellt, während die zur Arbeit und Nachzucht genutzten Tiere in engerer Beziehung zum Menschen lebten und von ihnen versorgt wurden.

Die meisten Hunde wurden fleischlos ernährt. Die Hauptnahrung bestand aus Brot und Getreidebreien. Die Brote wie auch der Brei wurden mit Molke, Milch, Fleischbrühe und Fleischresten angereichert.

In der Regel wurde die Hündin ein- bis zweimal im Jahr gedeckt. Nach einer Trächtigkeit von 60 bis 65 Tagen wirft sie im Normalfall 6 – 8 Junge, die sie ungefähr für zwei Monate säugte. Die Geschlechtsreife setzte wohl von Hundetyp zu Hundetyp zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr ein.

Nach dem Welpenalter wurden die Haushunde für die verschiedenen Zwecke ausgebildet und eingesetzt.

Nutzung

In der langen Zeit der Domestikation hatte der Hund unterschiedlichste Aufgaben als Schlittenhund, Kriegshund, Wachhund, Jagdhund, Hütehund usw.. So weisen archäozoologische Untersuchungen auf Verletzungen hin, die durch Hüte- oder Treibarbeit entstanden sein dürften. In den Volksrechten der Völkerwanderungszeit wurden z. B. in den Bußanordnungen verschiedene Hundeformen nach ihren Nutzungsrichtungen unterschieden. In seiner langen Geschichte war und ist er auch Nahrungslieferant (z. B. in Gebieten der Schweiz bis ins 19. Jh.).

Im Frühmittelalter wurden Hunde hauptsächlich als Hof- und Wachhund, Hüte- und Treibhund sowie Jagdhund genutzt. Dabei wurden sie immer noch aufgrund ihrer Eigenschaften und ihres Körperbaus ausgewählt, nicht der "Rasse" nach. Daneben hielt man in gehobenen Gesellschaftsschichten und im städtischen Bereich die Zwergformen als Schoßhunde.

Das Fell des Hundes konnte zu Leder verarbeitet werden. Dieses wurde für Bekleidungsstücke genutzt und später bevorzugt im Buchdruck eingesetzt. Ob das Fell selbst Verwendung fand, wie bei den Katzen, ist nicht bekannt.

Vermutlich wurden Hunde auch als Opfertiere genommen. So finden sich in der römischen Kaiserzeit und "Sachsenzeit" häufig komplett bestattete Hundeskelette. Diese liegen entweder in Friedhofsbezirken oder im Bereich von Gebäuden. Im letzteren Fall ist ev. von Bauopfern zu sprechen.

Bildquellen:
Abb.1: Mietje Germonpré
Abb.2: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Stuttgarter Psalter, Foliant 26v
Abb.3: Cod. Pal. germ. 389, Foliant 42r

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