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Haushuhn

Beschreibung

Rotes Dschungelhuhn
Abb.1 Bankivahuhn

Das Haushuhn ist das älteste Haustiergeflügel und überhaupt eines der ältesten Haustiere. Es stammt von dem in Südostasien beheimateten Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, dem roten Dschungelhuhn aus der Familie der Fasanenvögel. Es gehört zur Gruppe der Kammhühner. Über Mesopotamien und Griechenland kam es nach Italien, von wo es im 7./6. Jh. v. Chr. auch nördlich der Alpen gelangte.

Während bei den Römern die Hühnerzucht schon recht ausgeprägt für die unterschiedlichen Zwecke war – Fleischhuhn, Legehuhn, Zierhuhn und Kampfhuhn – ging diese Spezialisierung und Bedeutung der Hühnerhaltung in der Völkerwanderungszeit zurück. Sie gewann erst im Mittelalter wieder mehr an Bedeutung. Die frühmittelalterlichen Hühner waren kleiner als heute, aber interessanterweise waren sie im Extremitätenskelett im Durchschnitt breitwüchsiger als heutige Legerassen. Skelettmorphologisch stehen die frühmittelalterlichen Haushühner – bei beträchtlichen regionalen Größenunterschieden – zwischen heutigen Zwerghühnern und leichten Hühnerrassen (Leghorn, Italiener).

Während im frühen Mittelalter (7. – 10. Jh.) die Hühnerhaltung vom züchterischen Standpunkt her noch weitgehend stagnierte, lässt sich im Spätmittelalter ein deutlicher Aufschwung erkennen. Ab dem Spätmittelalter gibt es die Beschreibung von Hühnerrassen.

Haltung

Hühner wurden in Gruppen von mehreren Hennen mit einem Hahn gehalten. Das Haushuhn ernährte sich von Samen, Beeren, Knospen, Gräsern, Kräutern und Kleintieren, die es vom Boden pickte oder hervorscharrte. Es bewegte sich hauptsächlich auf dem Erdboden oder flatterte auf niedrige Äste. Tagsüber und wenn es das Wetter zuließ, liefen sie frei im Hofbereich und umliegenden Weiden und Feldern herum. Ansonsten wurden sie eingesperrt, um sie vor Raubfeinden zu schützen. Das konnte in der Scheune, im Stallbereich des Langhauses oder in einem separaten Verschlag erfolgen. Diese Bereiche waren mit Stangen und Nestern ausgestattet, um zum einen dem Schlafverhalten der Hühner zu entsprechen und zum anderen das Einsammeln der Eier zu erleichtern. Damit die Hühner ihre Eier in den vorgesehenen Nestern legten, war es besser, sie erst gegen Mittag ins Freie zu lassen.

Mit Beginn der Geschlechtsreife, die bei den frühmittelalterlichen Hühnern mit ungefähr sechs Monaten einsetzte, begann die Eiablage, wobei von Jahr zu Jahr die Zahl der gelegten Eier weniger wurde und nach einigen Jahren aufhörte. Vermutlich war im ersten Legejahr von bis zu 100 Eiern auszugehen, die eine mittlere Länge von 5,5 cm und Breite von 3,5 cm hatten. Zu Beginn der kälteren Jahreszeit begann die Mauser (Wechsel des Federkleides) und eine Legepause setzte ein. Erst zum Frühjahr fingen sie wieder an Eier zu legen.

Nimmt man dem Huhn das Ei nicht täglich aus dem Gelege, so setzt das Brutverhalten ein. Da ein Gelege aus 8 – 10 Eiern besteht, dauert dies ungefähr zwei Wochen. Nach circa drei Wochen schlüpfen die Kücken, die dann mit drei Monaten ausgewachsen sind. Auf diese Weise kann ein Huhn zwei bis drei Gelege im Jahr bebrüten.

Nutzung

Das Huhn ist ein leicht zu nutzendes Haustier. Es ist in der Haltung einfach und ist schnell vermehrbar. Die Nutzung war im Frühmittelalter vorwiegend auf das Fleisch, in geringerem Maße auf die Eier angelegt.

Bei Bedarf wurden die Hühner geschlachtet und verzehrt. Dabei wurde das ganze Huhn mitsamt den Innereien und Knochen verwertet. Bei den männlichen Hühnern könnte es sein, dass sie zuvor kastriert wurden. Die römische Landwirtschaft kannte zwei Methoden der Kastration: Absengen der Sporen oder Brennen in der Lendengegend mir einem glühenden Eisen. Eine weitere seit alters her bekannte Methode ist das Eröffnen der Bauchhöhle um die nahe den Nieren gelegenen Hoden zu entfernen.

Die Eier wurden täglich aus den Gelegen eingesammelt. Eier sind auch ohne Kühlung für zwei bis drei Wochen zu lagern. Sie können an einem kühlen Ort (12 – 14 Grad) noch länger aufbewahrt werden, ohne dass die Qualität leidet.

Auch die Federn der geschlachteten Hühner wurden weiter verwendet. So konnte man mit den Brustfedern zum Beispiel Kissen, Decken und Kleidungsstücke füllen.

Bildquellen:
Abb.2: Lutterell Psalter, British Library, Add. Ms. 42130, Foliant 166v.

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